Main-Spitze: „Müssen enkelfähig werden“

Achim Weidner kandidiert für die Freien Wähler und fordert neuen Gesellschaftsvertrag“

Von Oliver Bär | Main-Spitze vom 20.08.2021

Rüsselsheim. „Wer sich in der Politik umtreibt, muss die Details im Blick haben. Sonst wird man schnell zum Schwätzer.“ Achim Weidner, Bundestagsdirektkandidat der Freien Wähler für den Wahlkreis 184 Groß-Gerau, haut auch schon mal einen raus, wenn er ins Reden kommt. Dabei stehe er für den Kompromiss, so sein Selbstbildnis. Nur damit könne Kontinuität in der Politik erreicht werden, die zwingend erforderlich sei: „Wir dürfen nicht nur in Wahlperioden denken, wir müssen langfristig tragfähige Lösungen finden und umsetzen. Wir müssen enkelfähig werden“, ist der 62-Jährige, der seit rund 30 Jahren in Rüsselsheim lebt und arbeitet, überzeugt.

Kommunalpolitisch ist Weidner in Rüsselsheim bereits zu Beginn der neunziger Jahre als Stadtverordneter der Grünen in Erscheinung getreten. Später saß er auch für die CDU im Stadtparlament, trat mit einer eigenen Liste Weidner zur Kommunalwahl 2016 an und 2021 für die Freien Wähler. Wenn er das Wort Chamäleon hört, zuckt er nicht zusammen: „Ich bin mir immer treu geblieben – links-konservativ“, sagt er. Dass sich der politische Kompass mancher Partei je nach Spitzenpersonal und dem Schielen auf die Wählergunst ändern könne, sei nun mal so. Er habe darauf dann halt reagiert.

Weidner hat sich hochgearbeitet, vom gelernten Feinmechaniker und Vorarbeiter beim Stahlbau zum selbstständigen Unternehmer mit eigener Internetagentur. Dazwischen lagen das Abitur und ein Jura-Studium auf dem zweiten Bildungsweg sowie eine Zusatzqualifikation im Feld Datensicherheit von der Universität OIdenburg.

Wenig verwundert daher, dass Weidner, der als Datenschutzbeauftragter auch Mitglied im Vorstand des Rüsselsheimer Gewerbevereins ist, dem Thema Digitalisierung in Deutschland ein besonderes

Gewicht verleiht. Sowohl industriepolitisch als auch bei Forschung und Entwicklung müsse sich die Bundesrepublik den Herausforderungen stellen. „Künstliche Intelligenz oder autonomes Fahren seien keine Zukunftsmusik mehr.

Weidner will mit seiner Kandidatur dazu beitragen, dass die Freien Wähler bundesweit die Fünf-Prozent-Hürde überspringen und damit in den Deutschen Bundestag einziehen. Die Chancen schätzt er nicht schlecht ein, immerhin seien die Freien Wähler in Deutschland bereits sichtbar geworden und würden nicht mehr im Sammelbecken der sonstigen Parteien abgelegt. Wichtig sei ihm auch, als Freie Wähler in Rüsselsheim und im Kreis Groß-Gerau sichtbar zu werden. Ruppige Wahlkämpfe, wie Weidner sie auch in Rüsselsheim erlebt hat, sind nicht sein Ding. Auch in Berlin gehe es darum die Politik zu entpolarisieren und einen gemeinsamen

Weg zu sachgerechten Lösungen zu finden. Wie solle Deutschland in zehn, 15 oder 20 Jahren aussehen? Ein neuer Gesellschaftsvertrag müsse abgeschlossen werden, und das nicht nur mit Blick auf Rentenversprechen oder Klimawandel. Über alle Generationen hinweg müsste ein Konsens gebildet werden. „lch kenne die Nöte der Leute, bewege mich in vieIen Zonen. Es geht um sichere

Existenzen, es geht um das allgemeine Mietniveau, um die Sicherung des Wohlstands“, betont Weidner. Natürlich könne Deutschland nicht im Alleingang das Klima retten: „Aber wir können ein Vorbild sein als Industrienation.“ Generell gehe es jetzt darum, in entsprechende Prozesse einzusteigen. Die Menschen im Land müssten darauf vertrauen können, dass nicht nur diskutiert, sondern Wege auch beschritten werden.